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Schwierigkeitsgrade

Tourenbuch

28. Juni 2017
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Schwierigkeitsgrade - Allgemeines, UIAA-Skala, Schitouren-Skala, Anwendung

Allgemeines

Das Empfinden der Schwierigkeit einer Bergtour ist im Allgemeinen subjektiv. Länge, Höhenunterschied, Gipfelhöhe, Schnee-, Eis-, Gletscher- und Witterungsverhältnisse auf einer Route und zum Zeitpunkt der Begehung werden entscheidend sein für die Anforderungen, die eine Bergtour an die Begeher stellt. Dazu kommt der Zustand der Wege, die Auffindbarkeit (Orientierung) der Route, das Vorhandensein von Stützpunkten, Abbruchs- und Umkehrmöglichkeiten.
Dazu kommen weitere sogenannte objektiven Gefahren wie Stein- und Eisschlag und Lawinengefahr.
Eine Einteilung in objektive und subjektive Gefahren halte ich nicht für sehr sinnvoll, denn es kommt immer darauf an, wie gut die Begeher mit den Gegebenheiten fertig werden, je schlechter, umso schwieriger und gefährlicher werden sie die Tour empfinden.
Trotzdem möchten Wanderer, Bergsteiger, Kletterer und Schifahrer, Touren und Routen miteinander vergleichen und verwenden dazu gerne Zahlen. Zwei solche Zahlenschlüssel werden hier kurz vorgestellt.
In meinen handgeschriebenen Tourenbüchern habe ich nie numerische Schwierigkeitsgrade verwendet!

UIAA-Skala

Quelle: Willi End: Ennstaler Alpen, Gesäuseberge, Alpenvereinsführer, Bergverlag Rudolf Rother, München, 1.Aufl., 1988.
Die Skala ist für das Klettern im Fels gedacht, kann auch in Wikipedia nachgelesen und mit anderen Skalen verglichen werden.

Bewertung Beschreibung
I Geringe Schwierigkeiten. Einfachste Form der Felskletterei (doch kein leichtes Gehgelände!). Die Hände sind zur Unterstützung des Gleichgewichtes erforderlich. Anfänger müssen am Seil gesichert werden. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich.
II Mäßige Schwierigkeiten. Hier beginnt die Kletterei, welche die Drei-Punkt-Haltung erforderlich macht.
III Mittlere Schwierigkeiten. Zwischensicherungen an exponierten Stellen empfehlenswert. Senkrechte Stellen oder gut griffige Überhänge verlangen bereits Kraftaufwand. Geübte und erfahrene Kletterer können Passagen dieser Schwierigkeit noch ohne Seilsicherung überwinden.
IV Große Schwierigkeiten. Hier beginnt die Kletterei schärferer Richtung. Erhebliche Klettererfahrung notwendig. Längere Kletterstellen bedürfen meist mehrerer Zwischensicherungen. Auch geübte und erfahrene Kletterer bewältigen Passagen dieser Schwierigkeit gewöhnlich nicht mehr ohne Seilsicherung.
V Sehr große Schwierigkeiten. Zunehmende Anzahl an Zwischensicherungen ist die Regel. Erhöhte Anforderungen an körperliche Voraussetzungen, Klettertechnik und Erfahrung. Lange hochalpine Routen im Schwierigkeitsgrad V zählen bereits zu den ganz großen Unternehmungen in den Alpen und außeralpinen Regionen.
VI Überaus große Schwierigkeiten. Die Kletterei erfordert weit überdurchschnittliches Können und hervorragenden Trainingsstand. Große Ausgesetztheit, oft verbunden mit kleinen Standplätzen. Passagen dieser Schwierigkeit können in der Regel nur bei guten Bedingungen bezwungen werden. Häufig kombiniert mit künstlicher Kletterei A0 bis A4.
VII Außergewöhnliche Schwierigkeiten. Ein durch gesteigertes Training und verbesserte Ausrüstung erreichter Schwierigkeitsgrad. Auch die besten Kletterer benötigen ein an die Gesteinsart angepasstes Training, um Passagen dieser Schwierigkeit nahe der Sturzgrenze zu meistern. Neben akrobatischem Klettervermögen ist das Beherrschen ausgefeilter Sicherungstechnik unerlässlich.
VIII und darüber Von der UIAA noch nicht definiert. Das Allerletzte im Fels (?). Bisher überwiegend in Klettergärten oder Routen mit Klettergartencharakter (auch erst nach vorherigem "Einrichten") gemeistert. Häufig auch unter Zuhilfenahme von Magnesia.

Schwierigkeitsbewertung künstlicher Kletterei
Bei künstlicher Kletterei dienen Haken, Klemmkeile oder Sanduhrschlingen und andere künstliche Hilfsmittel nicht allein zur Sicherung, sondern ebenso zur Fortbewegung.

Bewertung Beschreibung
A0 Einige wenige Haken oder andere Zwischensicherungen in vorwiegend freien Routen werden als Griff oder Tritt benutzt.
Die Zuhilfenahme von Seilzug bei Seilquergängen fällt ebenfalls unter A0.
A1 Die Verwendung einer Trittleiter oder Trittschlinge pro Seilpartner, die mehrfach eingehängt wird ist ausreichend.
A2-A4 Größere Schwierigketen beim Anbringen künstlicher Hilfsmittel und/oder größere körperliche Leistungen beim überwinden der Kletterstelle (Überhang, Dach, großer Hakenabstand) und /oder große Ausgesetztheit, welche vom Kletterer immer größere Fähigkeiten verlangen. Zwei Trittleitern erforderlich.

Schitouren-Skala

In Anlehnung an die Quelle: Kurt Schall: Genuß-Schitourenatlas Österreich Ost, Verlag Kurt Schall, Wien, 4.Aufl. 1996
sind dabei vor allem die Hangneigung, die Anforderungen an das Schifahrerische Können in unpräpariertem Schnee und allen Schneearten und die Absturzgefahr maßgeblich.

Bewertung Beschreibung
I Leicht, wenig steil, bis 20° Hangneigung.
Breite, übersichtliche Hänge, Forststraßen.
Grundschwünge oder Pistenkönnen ausreichend.
II Mäßig schwierig, mäßig steil, bis 30° Hangneigung.
Wald, Waldschneisen, Rinnen, Hohlwege.
Kurze, kontrollierte Grundschwünge vorteilhaft und notwendig.
III Schwierig, steil, bis 40° Hangneigung.
Steiler Wald, Waldschneisen, Steilhänge und Steilrinnen, felsdurchsetztes Gelände.
Kurze und sichere Schwünge notwendig. Sichere Kontrolle aller Schneearten.
Bei hartem Schnee oder Firn Abrutsch- oder Absturzgefahr!
IV Sehr schwierig, sehr steil, bis 50° Hangneigung.
Steilflanken, Steilrinnen, felsdurchsetztes, unübersichtliches Gelände, auch felsdurchsetzte Waldschneisen, enge Rinnen, diverse Hindernisse (z.B. Abklettern) möglich.
Absolut sichere Schibeherrschung, Richtungssprünge auf engem Raum, Kletterkönnen und alpine Erfahrung vorteilhaft.
Bei allen Schneearten Absturzgefahr!
V Extrem schwierig, extrem steil, über 50° Hangneigung.
Steilflanken, Steilrinnen, kombiniertes Gelände, felsdurchsetzt, Abbrüche und Abklettern.
Für Steilhangspezialisten mit speziellem Training und Erfahrung, Befahren von Eis und Schrofengelände, Mutsprünge über Abbrüche, etc...
Erhöhte Absturzgefahr!

Anwendung

Auf diesem Webstandort werden die Skalen der Schwierigkeiten in Abhängigkeit von der Tourart folgendermaßen verwendet.

Tourart Anwendung
Felstouren, Klettergarten UIAA-Skala
Schitouren Schitouren-Skala nach Schall
Hochtouren Bei kombinierten Touren oder in kombiniertem Gelände sind die Schwierigkeiten im Fels nach der UIAA-Skala maßgeblich.
Bei reinen oder überwiegenden Eistouren werden bezüglich Hangneigung und Absturzgefahr die Kriterien nach der Schitourenskala herangezogen.
Wassereis Bewertung nach dem erforderlichen Training, Kraftaufwand, Aufwand für die Sicherung im Vergleich zur UIAA-Skala im Fels.
Die Verhältnisse zum Zeitpunkt der Begehung sind sehr entscheidend, daher ist eine Bewertung wenig aussagekräftig.
Bergläufe Sofern klettertechnische Schwierigkeiten auftreten: UIAA-Skala.

Für die Richtigkeit der Bewertungen der beschriebenen Touren wird keine Gewähr und keine Haftung übernommen!

Spruch des Tages

erneuern

Was der liebe Gott vom Gelde hält, kann man an den Leuten sehen, denen er es gibt.

Peter Bamm